Lieber Alle,
Ich mag kurz auf Wolfi's mail antworten, teilen was wir nun konkreter wissen
und versuchen vorzuschlagen, wie es weiter gehen könnte. Sonst find ich
E-Mail-Austausch nicht so hilfreich, aber nachdem viele auf Urlaub oder
sonst wo sind, bekomm ich sehr wenig von euch mit und freu mich über andere
Stimmen.
KURZFASSUNG
Die letzten Gespräche mit Markus und genaueres anschauen unseres
Energieausweises haben nochmal deutlich gemacht: die Förderung können wir
nur bekommen, wenn wir das Haus umfassender Sanieren (auch die seitliche
Außenhülle) und dabei richtig innovativ sind. Das heißt auch, dass die
Kosten höher wären als bisher gedacht. Die Frage der Leistbarkeit und
Wirtschaftlichkeit wird dadurch noch größer. Die Option einzureichen und
nicht anzunehmen bzw. vor der Umsetzung abzubrechen ist für Markus
vorstellbar. Alle Projektpartner*innen haben richtig Lust auf unser Projekt,
aber Markus hat jetzt mal auf Pause gedrückt, bis er von uns was hört. Alle
arbeiten erst weiter, wenn wir eine Entscheidung getroffen haben.
* Schickt gerne Fragen oder wo es mehr Infos für den
Entscheidungsprozess braucht.
* Wer mag das Plenum morgen mit mir vorbereiten und machen?
* Wer kann den Entscheidungsprozess beim LK & Tiks-Team Treffen
moderieren?
* Gerne gemeinsam entscheidungsbildende Schritte machen - Fragen
klären, Lösungen suchen, treffen, austauschen, telefoninieren, etc.
LANGFASSUNG
Update
Ich hab zwei Mal mit Markus telefoniert, weil nach unserem letzten Treffen
für ihn viele Fragen aufgetaucht sind. Resümee:
* Uns fehlt gemeinsamer Austausch: Wir waren uns einig, dass einige
Missverständnisse am Weg entstanden sind - vor allem Ausmaß und Konsequenzen
der notwendigen Energieeinsparungen. Wir brauchen mehr gemeinsames
Visionieren und Bilder entstehen lassen - intern und extern mit allen
potenziellen Projektpartner*innen. Wechselnde Konstellationen bei Treffen
sind auch herausfordernd.
* Das was wir uns vorstellen können ist nicht ökologisch und innovativ
genug für die Förderung: Bei der detaillierteren Auseinandersetzung ist klar
geworden, dass wir ~57% (und nicht "nur" 40%) einsparen müssen um überhaupt
förderwürdig zu sein. Das heißt erste Maßnahmen - z.B.: Dach, Fenster,
Solaranlage - sind zu wenig um ökologisch und innovativ zu sein (anbei
unsere Zusammenfassung von Pflicht, Kür und no go). Ganz grob sind unsere
größten Energieverluste Dach (~35%), Außenwände (~30%) und Fenster (~15%}.
Es gibt günstigere Lösungen für die Außenwände, aber ohne deren Dämmung
schaffen wir es nicht genug Energie einzusparen. Markus dachte, uns ist das
bewusst und wir hatten Markus seine Aussage "die notwendigen Einsparungen
schaffen wir locker" nicht mit den Bildern von "wir machen nur das Dach und
paar Fenster" abgeglichen.
* Eine Sanierung wird uns eine Summe kosten, die uns vor große Fragen
stellt und herausfordern wird: Unser Haus ist ein ziemlich großes
Mehrparteienhaus (~6000m2}. Laut seiner Einschätzung wird das weit mehr als
2-4 Millionen kosten, wenn wir wesentlich Energie sparen und es auch bissi
schöner haben wollen. Das sind höhere Summen, als die bisher im Gespräch
waren. Das tut uns leid, dass das jetzt erst so klar wird.
* Die Auswirkungen auf die Nutzungsbeiträge ist sehr komplex, hängen
von sehr vielen Faktoren ab und wir können nur Prognosen für
unterschiedliche Szenarien geben. Ganz grob haben die Faktoren folgende
Bedeutung: Förderquote > Zinshöhe > Anzahl Bewohni*s > Abschreibungsdauer >
Gästebetrieb. Unsere Mieten sind im Vergleich zu dem, was wir an Flächen
haben extrem niedrig. Egal wie wir weiter tun, irgendwann können wir der
Frage wie wir diesen Ort finanzieren schwer aus dem Weg gehen.
* Ad Selbstbau: Bei einigen Bereichen konnten wir sicherlich selbst
teile umsetzen. Markus hat erwähnt er kennt kein Beispiel von größeren
Gebäuden wie unseres in Österreich wo durch Selbstbau wesentlich Kosten
eingespart werden konnten (max. 5-10%) und befreundete Projekte waren auch
etwas enttäuscht was es ihnen eingespart hat im Vergleich zum
zeitlich/emotionalen Aufwand (Auenweide, Schlor). Da müssten wohl sehr viele
von uns das als Priorität im Leben für einen Zeitraum sehen, damit sowas
klappt. Kai wäre sehr motiviert es mit uns auszuprobieren.
Wie geht es weiter
En Versuch die nächsten Schritte zu skizzieren
* Donnerstag ist Plenum. Ich dort sehe ich nur ein Update und eine
Meinungsrunde. Freu mich über weitere Gedanken dazu und wen Zweiten
gemeinsam den Raum zu halten.
* Anfang nächster Woche Treffen (Hybrid) um eine finale Entscheidung
gemeinsam zu machen. Termin folgt von Sarah. Dann sollte wir bald einen
Termin haben .
* Davor lade ich euch ein mit Expert*innen in eurem Umfeld
auszutauschen, um euch eine Meinung zu bilden.
Möglichkeiten:
Ich hab mal überlegt wie es weiter gehen könnte und was mögliche
Entscheidungen sein können. Bitte gerne weiter ergänzen, konkretisieren und
lasst uns diesmal eine richtig gute, stimmige Entscheidung treffen. Diese
Varianten haben Sarah und ich heute auch Markus schon besprochen. Ich kann
Feedback sammeln fürs entscheiden
* Wir reichen wie ausgemacht ein, finden im Herbst eine Variante, wie
es uns auch mit einer höheren Summe geht. Es werden in Absprache mit allen
Projektpartner*innen Ausstiegsszenarien integriert und wir sagen im
Worst-Case mit etwas Gesichtsverlust ab (z.B.: wir nehmen die Förderung
nicht an, Ausstiegsszenarien im Projekt vor der Umsetzung).
* Wir nutzen das Geld anders als fürs Antragsschreiben, um ein Projekt
für nächste Mal besser vorzubereiten (z.B.: Workshop). Das heißt von unserer
Seite wir reichen nicht ein, wollen aber in dieser Konstellation vielleicht
was machen.
* Wir sagen ab und bitten Markus sofort zu stoppen. Damit können wir
uns vielleicht was einzusparen. Das heißt wir wollen nicht in dieser
Konstellation was machen. Das wäre für andere Projektpartner*innen an dieser
Stelle enttäuschend.
Bedenken und Alternativen
Wolfi, Ich verstehe die Bedenken und teile einige davon. Auch bei allen
erdenklichen Alternativen gehe ich davon aus, dass ähnliche Sorgen und
Ängste hochkommen. ich glaube auch, wenn wir uns nicht um unser Gebäude
kümmern (Dach, Brandschutz), es uns Probleme bereiten wird. Ich persönlich
kann mir nicht vorstellen, dass wir ohne Förderungen und vor allem auch viel
professioneller Unterstützung Organisation oder Bauliches hinbekommen. Für
einen Umbau brauchen wir einen langen Atem, Commitment, Verlässlichkeit und
vieles mehr ich weiß nicht ob wir davon ausreichend haben. Da täusche ich
mich gerne.
Wir sind keine Mieter*innen, sondern uns allen gehört das Gebäude mit allen
Konsequenzen (Verantwortung für Instandhaltung, Risiken, etc.). Ich glaube,
dass wir an solchen Stellen nochmal klarer, dass wir ein großes und
komplexes Projekt sind, Selbstorganisation mutig ist und wir oft nicht
wissen, wie es genau weiter geht. Ich bin weiterhin froh nicht in einer
Mietwohnung zu sitzen, Immobilien-Konzernen die Arbeit erledigen zu lassen
und für deren Rendite zu zahlen :- )
Ich hoffe zu etwas mehr Klarheit beigetragen zu haben. Es bleiben viele
Fragen offen. Schönen Tag euch
Christian